| OSAMA ist der erste lange Spielfilm,
der nach dem Ende der Taliban-Herrschaft in Afghanistan gedreht
wurde. Die Darsteller sind Laien, die Hauptfigur ist - wie in
so vielen von Zensur reglementierten Kulturen - ein Kind, ein
junges Mädchen. Siddiq Barmak, der Regisseur und Drehbuchautor,
wurde für dieses Werk in Cannes mit Standing Ovations gefeiert
und mit der "Mention Spéciale" der "Quinzaine
des Réalisateurs" bedacht. "Mein Film ist eine
Hommage an die Geduld der Afghanen, die so viel Leid erfahren
haben. Der Preis gilt ihrem Widerstand und ihrer unzerstörbaren
Hoffnung auf die Zukunft" so Barmak bei der Preisverleihung.
Barmaks Hauptdarstellerin schlägt sich als Junge verkleidet
unter dem Namen OSAMA durch eine von Männern dominierte
Welt. Sie versucht so den Lebensunterhalt für ihre Mutter
und Großmutter zu verdienen. Ihre Weiblichkeit lässt
sich trotz der Verkleidung nicht verbergen. Das Scharia-Gericht
beschließt ihre Zwangsheirat mit einem um Jahre älteren
Mullah. Er schenkt ihr zur Hochzeit ein Vorhängeschloss,
das ihre Zukunft für immer zu verriegeln scheint. Der Zuschauer
ist an das Anfangszitat von Nelson Mandela erinnert: Ich werde
verzeihen. Aber ich werde nie vergessen.
In seiner poetischen Sprache macht der Film den physischen
und psychischen Terror spürbar, dem Frauen unter dem extremistischen
Regime ausgesetzt waren. Dabei umgeht Barmak allerdings jede
Schwarz-Weiß-Malerei und zeigt, dass auch Männer
von dem Regime unterdrückt und instrumentalisiert wurden.
Das Werk ist ein Stück Aufarbeitung und Bewältigung
jüngster afghanischer Geschichte.
PRODUKTION
Barmak Film, Afghanistan
in Co-Produktion mit leBrocquyFraser Productions Ltd., Irland
und NHK, Japan
Afghanistan, Irland, Japan 2003
Länge: 83 Minuten, Farbe, Format: 1:1,85, 35 mm, deutsche
Fassung
AUSZEICHNUNGEN
Golden Globe in der Kategorie "Bester Ausländischer
Film", 2004
Besondere Erwähnung der Camera-d'Or-Jury, Cannes 2003
Preis der französischen Arthouse-Kinos 2003
Fellini-Medaille der UNESCO für Siddiq Barmak
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